Am 11. September findet in Niedersachsen die Kommunalwahl statt. Welche Themen sind in Wolfsburg denn besonders wichtig?

sdr

 

 

Immacolata Glosemeyer: Ich glaube, dass der Wohnungsmangel in Wolfsburg unübersehbar ist. Das ist einer der wichtigsten Punkte, an denen wir ansetzen müssen. Mit der Wohnungsbauoffensive haben wir schon einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht, aber das reicht natürlich noch nicht. Deshalb wollen wir 6000 neue Wohnungen bis zum Jahr 2020 bauen. Der Schwerpunkt dabei liegt auf dem sozialen Wohnungsbau, denn mindestens 25% der neuen Wohnungen werden sozialer Wohnungsbau sein. So können sich auch Auszubildende, Studierende und Menschen denen es finanziell nicht so gut geht, in Wolfsburg guten und bezahlbaren Wohnraum leisten.

Klaus Mohrs: Da kann ich Immacolata voll und ganz zustimmen. Für mich war natürlich auch die Flüchtlingssituation das bewegende Thema in der letzten Zeit. Ich finde, dass wir die Situation in Wolfsburg wirklich gut gemeistert haben und damals die richtigen Schritte eingeleitet haben. Wir haben zusätzliche Mitarbeiter bei der Stadt eingestellt, wir haben Personal für die Sprachförderung aufgestockt und wir haben ehrenamtliche Initiativen unterstützt, denn ohne das Ehrenamt hätten wir Wolfsburgerinnen und Wolfsburger die Situation nicht so gut meistern können. Jetzt ist wichtig, dass wir die Neuangekommenen auch in unsere Gesellschaft integrieren und ich glaube, dass wir in Wolfsburg ein Paradebeispiel dafür sind, wie gelungene Integration gelebt wird.

Bei den Kommunalwahlen darf man bereits mit 16 Jahren wählen gehen. Warum findet ihr es wichtig, dass die Jugendlichen von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen und zur Wahl gehen?

Klaus Mohrs: Ich finde es sehr wichtig, dass sich gerade junge Menschen für Politik interessieren. Wir brauchen junge Menschen, die ihre Wünsche und Interessen in die Politik einbringen können und wollen. Bei den Kommunalwahlen können die Jugendlichen hautnah erleben, wie sich ihre Entscheidungen auswirken und was sie mit ihrer Stimme bewegen können.

Immacolata Glosemeyer: Wahlen sind das wichtigste Werkzeug zur Mitbestimmung in einer Demokratie, vor allem auch um den jungen Menschen eine Stimme zu geben. Die Jugendlichen wissen am besten, welche Themen für sie von Interesse sind. Bei der Kommunalwahl haben auch 16-jährige die Möglichkeit, ihre Zukunft aktiv mitzugestalten, eine Möglichkeit, die sie bei Bundestags- und Landtagswahlen noch nicht haben.

Immacolata, im Landtag habt ihr eine Initiative gestartet, um das Wahlalter bei den Landtagswahlen auch auf 16 abzusenken. Bis jetzt konnte sich die CDU aber nicht durchringen, dem zuzustimmen, da sie den Jugendlichen offenbar nicht zutraut, Verantwortung zu übernehmen.

Immacolata Glosemeyer: Ja, das stimmt leider. Allerdings bin ich sehr zuversichtlich was die Absenkung des Wahlalters angeht, da sich alle anderen Fraktionen bereits dafür ausgesprochen haben. Ich glaube, dass junge Menschen nämlich sehr wohl wissen, welche Verantwortung die Wahl mit sich bringt und ich bin fest davon überzeugt, dass die Jugendlichen diese Verantwortung auch übernehmen können und wollen.

Klaus Mohrs: Man sieht das ja auch an den Kommunalwahlen. 1996 wurde das Wahlalter in den Kommunen auf 16 Jahre abgesenkt und ich muss sagen, dass ich nur positive Erfahrungen gemacht habe, da sich die jungen Menschen viel stärker mit der politischen Situation auseinandersetzen und sich ihrer Verantwortung absolut bewusst sind.

Bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern hat die AfD über 20% der Stimmen erhalten. Warum glaubt ihr, dass die AfD in Wolfsburg nur wenig Stimmen erhalten wird.

sdr

 

 

Immacolata Glosemeyer: Leider haben sich viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern aber auch in anderen Bundesländern durch Populismus und das Schüren von Ängsten beeinflussen lassen und die AfD gewählt. Vor allem die Flüchtlingssituation hat der AfD in die Karten gespielt. Ich denke aber, dass die Menschen in Wolfsburg anders mit der AfD umgehen. In Wolfsburg wissen wir, wie gelungene Integration funktioniert hat, funktioniert und auch funktionieren wird und die Menschen wissen das auch. In vielen Gesprächen habe ich festgestellt, dass die Wolfsburgerinnen und Wolfsburger viel offener mit dem Thema umgehen als anderswo, vor allem, weil es so viele Beispiele gelungener Integration bei uns gibt.

 

Klaus Mohrs: Unsere Stadt ist schließlich durch Zuwanderung geprägt. Damals kamen viele Menschen als Gastarbeiter nach Wolfsburg, haben bei uns aber eine neue Heimat gefunden. Ohne die Zugewanderten würden wir heute nicht so gut dastehen, wie wir es jetzt tun. Und wir alle profitieren weiterhin von der Zuwanderung und der gelungenen Integration.

Möchtet ihr den Wählerinnen und Wählern noch etwas mit auf den Weg geben?

Immacolata Glosemeyer: Ich würde mich freuen, wenn alle Wolfsburgerinnen und Wolfsburger kurz in sich gehen und überlegen, ob es ihnen besser oder schlechter geht als vor fünf Jahren. Ich glaube, dass die überwältigende Anzahl der Menschen feststellt, dass es ihnen bessergeht als vor fünf Jahren. Das war nicht zuletzt die gute Arbeit der SPD im Stadtrat und in den Ortsräten und ich hoffe, dass die Menschen das auch so wahrgenommen haben und nicht auf vermeintliche Alternativen hereinfallen.

Klaus Mohrs: Ich kann auch nur jede Wolfsburgerin und jeden Wolfsburger auffordern, zur Wahl zu gehen und von ihrem Grundrecht Gebrauch zu machen. In vielen anderen Ländern würden sich die Menschen wünschen, einmal in ihrem Leben wählen zu gehen und mitbestimmen zu können. Wir haben die Möglichkeit dazu und wir sollten sie auch nutzen.

 

Vielen Dank für eure Zeit!

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